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... was soll man sich darunter vorstellen? Laut der Kursbeschreibung der Innung sollen damit Lehrlinge des 3. Lehrjahres angesprochen werden, "die Freude am Beruf mitbringen und gewillt sind ... zusätzliche Gelegenheiten zum Lernen zu ergreifen". Einzige verbindliche Vorraussetzung ist ein Notendurchschnitt von mindestens 2,5 im letzten Berufsschulzeugnis.
... Hm, klingt ja ganz nett, in der Mappe 10/98 wird in etwas höheren Tönen von dem Kurs geschrieben. Spätere Bundessieger sollen aus dem Leistungskurs hervorgegangen sein. Die Teilnehmer sollen sich "die besten Vorraussetzungen für ein berufliches Weiterkommen, sowohl im Hinblick auf fachliche Inhalte, als auch in Bezug auf Persönlichkeitsbildung erarbeiten". Die Inhalte sollen sich von historischen bis zu neuzeitlichen Arbeitstechniken und -verfahren erstrecken. Je nach Aufgabe sollen Malstock und Pinsel oder auch der Computer zum Einsatz kommen. Ergänzend zur Praxis sollen Seminare am Museumspädagogischen Zentrum der Neuen Pinakothek in München Einblicke in die Kunst- und Kulturgeschichte geben und dabei Bezüge zu Lebensweisen, Geisteshaltungen und handwerklichen Arbeitsweisen der damaligen Zeit aufzeigen.
Das klingt ja nach vielmehr, als nur nach einem einfachen Lehrgang, verunsichert vielleicht sogar ein wenig und man fragt sich, ob man für diesen Leistungskurs überhaupt "gut genug" ist. Nach reichlicher Überlegung und einigem Schriftverkehr mit meiner Handwerkskammer und Berufsschule in Osterode habe ich mich dann schließlich doch entschieden, an diesem Kurs teilzunehmen.
Am 29. November 1999 sollte der Kurs beginnen. Treffpunkt war in der Maler- und Lackierinnung München. Dort saßen sich nun 15 mehr oder weniger fremde Gesichter gegenüber, was sich aber bald ändern sollte. Geplant war dazu eigentlich eine 2tägige Kennenlernfahrt auf eine Hütte die leider wegen Renovierungsarbeiten ausgefallen ist. Doch auch innerhalb des normalen Klassenverbandes sind wir schnell eine eingeschworene Mannschaft geworden. Daß kam auch daher, daß uns unser Lehrer Herr Krumpschmid immer wieder aufforderte, zu schauen was die anderen machen. Wir sollten uns gegenseitig helfen, auch abschauen von Ideen war erlaubt und sogar gewünscht.

Als uns Herr Krumpschmid das Programm des Kurses vorstellte und uns Arbeiten aus dem letzten Jahr zeigte, mußten wir teilweise schon ein bißchen schlucken, was uns in den nächsten drei Monaten abverlangt werden sollte. Wir sollten das Maserieren von verschiedenen Holzarten lernen, das Marmorieren, die Sandsteinmalerei, das Lackieren von verschiedenen Lacken, auch Metallic, das Schablonieren, die Schattiertechnik (Airbrush), das freie malen von einem Fries mit Spitz- und Plattpinsel, die Schleiflacktechnik, die Ausführung einer Bronzelasur, das Vergolden/Versilbern in Öl und Goldradieren. Wir sollten lernen was in unserer Hand steckt und daß man frei "lebendigere" Arbeiten erstellen kann, als zum Beispiel mit einem Lineal.
Außerdem sollten wir den Unterschied zwischen einer künstlerischen und einer handwerklichen Arbeit verstehen. Dazu haben wir unter der Leitung von Herrn Herles vom Kunstpädagogischen Institut die Alte- und Neue Pinakotek, das Lenbachhaus, eine Odyseus- Ausstellung im Haus der Kunst und das Schloß Nymphenburg besucht. Dabei kam nie Langeweile auf, die man vielleicht aus Schul- Pflicht- Museumsbesuchen noch kennt.

Und natürlich kam auch der Spaß außerhalb des Kurses nicht zu kurz, hier einige Fotos von den gemeinsamen abendlichen Ausflügen ohne weiteren Kommentar ...
Zusammenfassend kann man sagen, daß sich der Kurs in allen Beziehungen gelohnt hat. Man ist nicht nur mit den einzelnen Techniken vertraut geworden, man hat ein ganz anderes Bild vom Beruf des Malers und Lackierers bekommen und ist jetzt in der Lage anspruchsvollere Arbeiten durchzuführen und hat dadurch auch mehr Freude am Beruf. Außerdem war der Kurs eine gute Gelegenheit Freundschaften mit Gleichgesinnten zu knüpfen und sich auch schon einmal über verschiedene Fortbildungsmaßnahmen und Meisterschulen zu unterhalten. Die gute Vorbereitung auf die bevorstehende Gesellenprüfung war dabei fast nur ein Nebeneffekt.

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© 2000 Oliver Eckstein