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Das Maserieren und Marmorieren sind Imitationsverfahren mit langer Tradition. Sie sind das Nachahmen der Maserung edler Hölzer,
Beziehungsweise der Töne und Adergebilde der verschiedenen Marmorarten mit Farbe. Diese Techniken entstanden durch die
Wertschätzung von seltenen und teuren Materialien und den Drang sie zu kopieren, um auch in Bürgerhäusern zum
Beispiel eine ungeahnte Anzahl von Edelhölzern zur Verfügung zu haben. Ab der Barokzeit bis zur ersten Hälfte
des 20. Jahrhunderts gehörten die Imitationstechniken Maserieren und Marmorieren zum Ausbildungsstand des Malers. Der
Wert dieser Techniken wurde umstritten von den Vorkämpfern der Geschmackskultur. Sie setzten auf Materialechtheit,
Sachlichkeit und Wahrheit. Doch davon kann heute sowieso kaum noch die rede sein, es gibt schließlich auch statt Seide
Kunstseide, Kunstreproduktionen oder Metallegierungen und Vergolden auf Eisen u.s.w. Doch das Maserieren und Marmorieren ist vielmehr als nur die bloße naturgetreue Imitation. Kreativität, Einfallsreichtum
und eine sichere Hand lassen die Arbeit zu einer künstlerischen Gestaltung werden.
Bevor man nun aber so eine Imitationstechnik ausführen kann, muß man sich ersteinmal ganz genau das Vorbild aus der Natur anschauen. Beim Maserieren muß man die Zeichnung der Holzart gut kennen. Zunächst sollte man einige Zeit damit verbringen, Holzmasern auf Papier zu zeichnen. Jedes Holz hat seinen unverwechselbaren Charakter, der bei der Maserung getroffen werden muß. Es gibt jedoch viele Gemeinsamkeiten, die bei allen Hozarten auftauchen:
Den Untergrund lackiert man mit Alkydharzvorlack in einem beige Ton. Der so vorbereitete Untergrund wird mit Eichelasur
eingestrichen und mit einem Schläger durchgeschlagen.
Die Lasur mischt man sich selber an, indem man als Bindemittel
Halböl (1/3 Leinölfirnis und 2/3 Terpentin) nimmt und etwas Schlemmkreide dazu gibt, damit die Lasur nicht läuft.
Die Lasur wird mit Erdpigmenten abgetönt, je nach Farbrichtung mit Kasselerbraun, Terra die Siena natur, Terra die Siena
gebrannt, Umbra gebrannt oder Umbra grünlich. Als erstes wird ein selbst hergestellter Gummikamm benutzt. Der Kamm ist
einfach nur eine etwa 50 * 40 Millimeter und einige Millimeter starke Gummiplatte, in die drei kleine Kerben eingeschnitten
werden.
Den Kamm kann man von beiden Seiten benutzen: Mit der gekerbten Seite werden feine Aderbündel eingezogen. Der Abstand
der Adern wird mit dem Winkel in dem man den Kamm hält, vergrößert (schräge Haltung) oder verkleinert
(steile Haltung). Mit der glatten Seite des Kamms werden die Hauptadern festgelegt. Sie bestimmen die harmonische Gesamtbewegung
des Kerns und werden in größeren Abständen gesetzt. Die Breite wird in Wachstumsrichtung dicker gezogen,
indem man den Kamm stärker andrükt. Der rhytmische Wechsel von Hauptadern und Feinadern bestimmt den Aufbau. Die
Gegenbewegung der
Maser muß durch den Hals logisch verbunden werden. Mit dem Schechter (mit Rupfen umwickelter Stahlkamm) wird
das Schlichtholz beigezogen. Es ist dabei zu beachten, daß die Kernpartie in ihrer Bewegung richtig begleitet wird, die
Maserung soll jedoch nach außen hin immer einfacher werden. Mit einem Borstenölmalpinsel, dem Auswischer
werden die Innenkanten (Kernseite) der eingezeichneten Adern verwischt. Mit dem Dachshaarvertreiber wird die Maseranlage nach
innen weich vertrieben. Mit einem feinen Stahlkamm wird vom Kern in Wachstumsrichtung leicht schräg nach außen
verkät. Das Schlichtholz wird längs in leichter Wellenform durchgezogen. Nach einer Trockenzeit von mindestens 12
Stunden wird mit einer Bierlasur (Bier als Bindemittel, Kasselerbraun und Umbra als Farbtönung) gleichmäßig
eingestrichen, durchgeschlagen und mit dem Dachshaarvertreiber vom Kern nach außen vertrieben. Der Schlichtholzbereich
wird mit einem breiten Borstenmodler in rollenden Bewegungen teilweise durchgestupft, daß sogenannte Wimmern. Die
Kernpartie wird zusätzlich mit dem Vertreiber gestupft. Zum Schluß muß die Maserierung überlackiert
werden, am besten mit einem seidenglänzenden Alkydharzklarlack.
Den Untergrund lackiert man mit Alkydharzvorlack in einem Beigebraun. Diese Fläche wird mit Nußbaumlasur (Halböl
+ Schlemmkreide, leichte Tönung mit Terra die Siena gebrannt und Kasselerbraun) eingestrichen und mit dem Schläger
durchgeschlagen. Die Anlage erfolgt mit einem einem 4 cm breiten Modler, als Malfarbe werden in Halböl angerührte
gebrannte Siena, Kasselerbraun und Schwarz oder entsprechende fertige Tubenmischfarben verwendet. Die Anlage wird in harmonischer
Bewegung mit dem Modler aufgetragen. Auf einer Palette wird die Malfarbe aus der Grundlasur und aus den Mischfarben immer neu zusammengemischt.
Auf das abwechslungsreiche Spiel vin farbigen Partien und harten, dunklen Konturen ist besonders zu achten. Hat man die Maser mit
dem Modler komplett vorgelegt, wird ein Stahlkamm mit einem Leinenlappen umwickelt und damit die engen Partien ausgewischt.
Mit der Rückseite wird die vorgelegte Maserung nachgezogen und konkretisiert. Das geschieht mit der unteren Ecke des
Stahlkamms, so daß eine helle Kante über den vorgelegten feinen Adern erscheint. Auch hier ergibt der Wechsel von
Hauptadern und engen Partien das abwechlungsreiche Maserbild. Die Seitenpartien werden mit einem in Farbe getauchten, um
mehrere Finger gelegten Leinenlappen beigezogen. Man kann mit einem Wischer dann Korrekturen vornehmen, indem man noch Farbe
abnimmt oder aufträgt. Zum Schluß wird die Maser mit dem Dachshaarvertreiber vom Kern nach außen vertreiben.
Nachdem die Ölasur getrocknet ist, wird wieder mit Bierlasur (diesmal Kasselerbraun und gebrannte Siena als Tönung)
eingestrichen und mit dem Schläger durchgeschlagen. Die Seitenpartien werden mit einem Modler durchgewimmert. Mit dem
Dachshaarvertreiber wird nach außen weich vertrieben. Die Kernpartie soll schlicht gehalten werden und deshalb nur leicht
gestupft werden. Die fertige Maser muß durch einen Lacküberzug geschützt werden.


Die Imitation des Kirschbaums ist der des Nußbaums ähnlich. Bei den Farben ändert sich folgendes: der Grundton ist ein rötliches Beige, die Lasur enthält als Tönung Terra die Siena gebrannt und natur. Als Malfarbe wird Kasselerbraun, Siena gebrannt und natur verwendet. Bei der Überlasur dient gebranntes Siena und ein wenig Kasselerbraun der Tönung.
Auch bei der Ausführung gibt es ein paar Unterschiede: beim Einziehen der Hauptmasern wird mit der oberen Ecke des umwickelten Stahlkamms ausgewischt. Beim Vertreiben mit dem Dachshaarvertreiber wird bei der Öllasur und bei der Bierlasur von außen zum Kern hin vertrieben.

Beim Marmorieren werden Strukturen durch malerische Oberflächengestaltung auf Wänden und Gegenst&uaml;nden nachempfunden. Echte Marmorarten geben dabei oft nur Anhaltspunkte für die Steinmalerei und werden oft stilisiert oder künstlerisch überhöht. Entscheidend für die Steinmalerei und werden oft gestalterische Gesichtspunkte. Man sollte sie nur dort verwenden, wo Architektur und Form einem entsprechenden Steinmaterial identisch sein können. Die Marmorierung sollte zum Objekt passen und ist abh&aum,;ngig von Dimensione, Relation, Beleuchtung und der historischen Bezogenheit des Objektes. Bei der Ausführung der Marmorierung sollten Grundstrukturen vereinfacht werden und nicht zu kompliziert sein, man sollte nicht alle geologischen Möglichkeiten durcheinander malen und keine symetrischen Anordnungen (Karo- /Zebrastreifen) Muster erzeugen.
Es gibt verschiedene Arten, die Marmorierung auszuführen, man kann zum Beispiel mit Pinseln, Spachteln, Schwämmen,
Vertreiber, Federn, Papier (Abklatschmethode) oder Stuckmarmor arbeiten.
Man kann relativ einfach weißen Marmor imitieren,
wenn man nur mit Pinseln und einem Naturschwamm arbeitet. Man richtet sich mehrere Lasuren für die Aderzeichnungen her, indem
man jeweils mehr oder weniger schwarze Dispersionsabtönfarve in ein Gemisch aus Wasser und Dispersionsbindemittel gibt.
Mit der hellsten Lasur nimmt man eine erste grobe Flächeneinteilung mit einem größeren, am besten älteren
Pinsel vor. Dabei ist der Pinsel in leicht rollender Bewegung über die Oberfläche zu führen. So zeichnet man
möglichst viele helle Adern, die in der Linienstärke varieren und deutet einzelne Einschlüsse an. Mit den dunkleren
Lasuren verstärkt man einige Adern und verwendetd dabei auch kleinere Pinsel. Hier gilt: je dunkler die Lasur, desto weniger
Adern werden damit verstärkt. Dabei sollten die Adern auch nicht zu gleichmäßig durchgezogen werden, sondern
eher zerrissen wirken.
Zum Schluß wird die ganze Fläche noch überlasiert. Man verwendet dazu zwei Lasuren die wieder aus Wasser, Dispersionsbindemittel
und Abtönfarbe bestehen. Die erste Lasur sollte erwas rötlicher sein (umbra und oxidrot),
die zweite grau (schwarz und umbra). Einige wenige Flächen werden mit der rötlichen Lasur mit einem Schwamm überarbeitet, wobei ein Verlauf
von der Bruchkante weg erzeugt werden sollte. Nach dem Trocknen wird die gesamte Fläche unregelmäßig mit der grauen
Lasur überarbeitet und noch im feuchten Zustand wird die Lasur mit einem Naturschwamm wieder abgenommen. Die fertige
Marmorierung sollte überlackiert werden.
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© 2000 Oliver Eckstein